My voice, my choice: Sollte die EU Abtreibungen finanzieren?
Im Pro Life Forum, dem Online-Debattierabend der Jugend für das Leben, diskutieren wir aktuelle Themen im Lebensschutz. Am 27. Januar 2026 ging es um die Frage: „Sollte die EU Abtreibungen finanzieren?“
Dieses Thema gewann an Bedeutung, als am 16. Dezember 2025 die Forderungen der Bewegung „My Voice, My Choice“ im Europäischen Parlament diskutiert wurden. Die zentrale Forderung: Die EU soll einen Mechanismus schaffen, der den „Zugang zu einer sicheren Schwangerschaftsunterbrechung (sic!)“1 gewährleisten und finanziell unterstützen soll. So könnten Frauen aus EU-Mitgliedstaaten, in denen Abtreibungen nicht oder nur eingeschränkt möglich sind, mit finanzieller Unterstützung in Länder mit liberalerer Gesetzgebung reisen und dort eine Abtreibung vornehmen lassen – es geht also um Abtreibungstourismus.
Der Vorwurf lautet, dass der eingeschränkte Zugang zu Abtreibungen soziale Ungleichheit und finanzielle Benachteiligung fördere, da Frauen, die insbesondere von Armut betroffen sind, in vielen Ländern viel Geld ausgeben müssten für eine Abtreibung oder sich bei einer restriktiven Gesetzgebung in ihrem Heimatland eine Reise in ein anderes Land nicht leisten könnten. Wenn es den Befürwortern jedoch tatsächlich um Hilfe für Menschen in Armut ginge, könnte man sich schnell darauf einigen, dass die geforderten EU-Gelder in Hilfsorganisationen investiert würden statt in Abtreibungstourismus.
Abtreibung als Gesundheitsleistung zu bezeichnen, so auch die WHO2, vertuscht dabei zum einen, dass einer der Beteiligten die Abtreibung nicht überlebt: das Baby. Zudem kann es sich nicht um eine förderliche Gesundheitsleistung handeln, wenn Frauen danach vielfach mental und physisch leiden und weitere Hilfen in Anspruch nehmen müssen. Derselbe Trugschluss liegt vor, wenn von „sicheren Abtreibungen“ gesprochen wird. Es gibt keine sichere Abtreibung, weil das Kind in jedem Fall stirbt und die Frau häufig schwere Folgen erleidet.
„My Voice, My Choice“ betont zwar, die Souveränität der einzelnen Länder zu respektieren und die Finanzierung als freiwilliges Programm anzusehen, alle ihre Forderungen zielen jedoch darauf ab, konservativere Länder zu diffamieren und ihre strengeren Gesetzgebungen gezielt zu umgehen.3 Die Vision ist klar: Bei Abtreibungen soll immer das liberalste Land in der EU den Ton angeben. Strengere Länder wie Polen oder Ungarn sollen unter Druck gesetzt werden, ungeachtet dessen, dass es sich bei diesen Mitgliedstaaten um Demokratien mit Eigenverantwortlichkeit handelt.
Unsere Schlussfolgerung: Das Leben und die Würde aller Menschen – sowohl von Frauen als auch von Babys im Mutterleib – bleibt EU-weit unantastbar. Lasst uns EU-Gelder in die Hand nehmen und echte Hilfe leisten, indem wir den Frauen beistehen, emotional, finanziell und mit Taten!
Es hat uns Spaß gemacht, gemeinsam das Thema genauer zu beleuchten, uns eine Meinung zu bilden und unsere Argumentation zu schärfen. Sei gerne das nächste Mal mit dabei, egal, welche Meinung du hast, wir bieten dir Raum zum Nachdenken und ins Gespräch kommen.
1 So die offizielle Pressemitteilung des Europäischen Parlaments vom 17.12.2025: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20251211IPR32167/parlament-unterstutzt-my-voice-my-choice-initiative.
2 World Health Organization (2022), Abortion care guideline: https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/59a704cc-4024-412a-97d9-55d86d139602/content.
3 Laut der Pressemitteilung (s. Anm. 1) zeigten sich die EU-Abgeordneten „zutiefst besorgt über zunehmende Rückschritte bei Frauenrechten und der Gleichstellung der Geschlechter in Europa und weltweit, einschließlich der Rücknahme sexueller und reproduktiver Rechte“.