Patricia erzählt von ihrer Fehlgeburt

„Ich bin Mutter, auch wenn ich mein Kind nicht in den Armen halten durfte“ 

28.02.2026

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Triggerwarnung: Dieser Artikel behandelt das Thema Fehlgeburt, einschließlich medizinischer, körperlicher und emotionaler Aspekte sowie Verlusterfahrung. Der Inhalt kann für Menschen mit eigener Betroffenheit von Fehlgeburt, Abtreibung oder unerfülltem Kinderwunsch belastend sein. Bitte achte gut auf dich und entscheide selbst, ob und wann du den Text lesen möchtest und wende dich bei Bedarf an eine Person, der du vertraust.

Etwa sechs Monate ist es nun her, dass Patricia W., 27 Jahre alt, und ihr Mann Pascal W. ihr Kind durch eine Fehlgeburt in der 11. SSW verloren haben.

Patricia, ehemaliges Vorstandsmitglied der Jugend für das Leben, ist jetzt bereit, über dieses schwere Erlebnis zu sprechen.

Wie hat Patricia die Geburt ihres „Sternenkindes“ erlebt? Wie konnte sie mit der Trauer umgehen? Welchen Einfluss hatte die Fehlgeburt auf ihre Ehe? Was hat ihr geholfen und was war gar nicht hilfreich? All diese Fragen beantwortet Patricia in ihrem Artikel. Am Ende wendet sie sich auch an andere Betroffene.

Als ich erfahren habe, dass der Herzschlag unseres Babys nicht mehr da ist, war es, als wäre die Welt für einen Moment stehen geblieben. Dieser Moment hat sich in mein Herz eingebrannt.

  • Diagnose

    27.08.2025

    Symbolbild

    Ich erinnere mich noch genau an den Raum, an den Bildschirm, an das Geräusch des Ultraschallgeräts, an meinen eigenen Herzschlag in meinen Ohren und an die Stille der Ärztin, als sie mich untersucht hat. Dann bekam ich etwas Angst. Ich wollte an Gott festhalten und erzählte ihr, was für ein Wunder es überhaupt war, dass ich nun schwanger war. Denn die Ärzte hatten mir kommuniziert, dass wegen meiner Endometriose die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft extrem gering ist. Da schaute die Ärztin mich ganz tief an, legte eine Hand tröstend auf mich und sagte mir, dass das Herz nicht mehr schlägt. 

    In diesem Moment konnte ich es noch nicht wahrhaben. Ich dachte: „Niemals lässt Gott das zu. Dieses Kind ist ein Wunder und ich bin überzeugt, dass das Kind zur Welt kommen wird und dass Gott uns nicht erst ein Wunder schenkt und es dann wieder wegnimmt – nein, niemals.“

    Dann kam diese tiefe, unfassbare Leere. Und doch hatte ich immer noch die Hoffnung, dass es vielleicht doch nicht so ist.

  • Bestätigung

    28.08.2025

    Am nächsten Tag ging ich zu einer anderen Frauenärztin, die diese unglaublich schwere Diagnose jedoch bestätigte.

    „In diesem Moment ist so viel in mir kaputt gegangen.“

    Ich erinnere mich noch so gut an diesen Druck in meiner Brust, das Bedürfnis laut schreien zu wollen. Alles in mir schrie: „Herr, warum?“ Ich hatte doch so sehr gehofft, so viel gebetet – und doch kein Herzschlag mehr? Wieso?

    Ich konnte kaum atmen, ich fühlte mich leer, verwirrt und gebrochen, als würde etwas in mir mitsterben.

    Ich wünschte, ich könnte an dieser Stelle sagen, dass ich in diesem Moment an Gott festgehalten habe, aber das habe ich nicht. Ich habe zwar nicht meinen Glauben an Gott verloren, aber ich verstand Gott einfach nicht. Ich war hin- und hergerissen zwischen der Gewissheit, dass mein Kind nun bei Gott ist, und der Verzweiflung, warum Gott das zugelassen hat. 

    „Dieser Gedanke war mein erster brüchiger und schwacher Trost…“

    Und doch wusste ich, mitten im Schmerz, mein Kind ist jetzt bei Gott. Ich konnte es nicht halten und auch nicht retten, aber Gott hat es aufgenommen in Seine liebevollen Arme. Dieser Gedanke war mein erster brüchiger und schwacher Trost, den mein Herz in diesem Moment greifen konnte – zu wissen, dass unser Baby bei Ihm geborgen ist, dort, wo kein Leid und keine Träne mehr ist. Dieser Trost trägt mich bis heute.

  • Geburt

    Ich hatte die Wahl: Ausschabung, chemische Abtreibung oder darauf warten, dass mein Körper das Baby von selbst „loslässt“ – ich entschied mich für letzteres. Ich begann ab dem 01.09. jeden Tag mehrere Tassen verschiedener Tees zu trinken, damit mein Körper „gereinigt“ wird und ich keine Vergiftung bekomme. Schon beim Zubereiten der ersten Kanne hatte ich so große Schuldgefühle: „Was ist, wenn unser Baby doch lebt?“

    Zwei Tage später, am 03.09. begann dann die Blutung leicht und wurde immer stärker. Am 04.09. um ca. 19:30 Uhr ging es mit den Schmerzen los. 

    Ich wurde von anderen darauf vorbereitet, dass es sehr schmerzhaft werden könnte. Meine Ärztin hatte mir allerdings gesagt: „Für andere ist es sehr schmerzhaft, für Sie mit Endometriose wird es sich wahrscheinlich genauso anfühlen wie jedesmal zu einer Periode“. Dem war so. 

    „Da waren sie, diese starken Schmerzen, von denen Frauen, die eine Fehlgeburt oder chemische Abtreibung erlebt haben, gesprochen hatten.“

    Ich habe diese Schmerzen aufgrund meiner Endometriose tatsächlich alle paar Wochen. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht wirklich sehr schmerzhaft sind. Das waren sie allemal. Noch dazu war die Blutung deutlich stärker als für gewöhnlich.

    Ich hatte mich schon mental darauf vorbereitet, genau das gleiche wie alle paar Wochen zu erleben. Und doch war es viel schlimmer. Denn der Schmerz im Herzen war in diesen Momenten stets spürbar.

    Mein Mann und ich gingen zu Bett und versuchten zu schlafen. Ich nickte immer wieder kurz ein, um dann vor Schmerzen wieder aufzuwachen.

    Irgendwann gegen Mitternacht wachte mein Mann auf. Ich saß im Bad neben der Toilette und hatte nach ihm gerufen. Die Schmerzen hatten einen Höhepunkt erreicht und ich hatte mich gerade übergeben. Mein Körper hatte angefangen zu zittern, obwohl mir überhaupt nicht kalt war. Mir war schwindelig. Es war körperlich, seelisch und geistlich kaum zu ertragen. 

    „Ich war nicht darauf vorbereitet, wie sehr der Körper und die Seele zusammen trauern.“

    Ich habe gebetet, geweint, geschrien, gefleht. Ich war nicht darauf vorbereitet, wie sehr der Körper und die Seele zusammen trauern. Es fühlte sich an, als würde nicht nur mein Körper etwas verlieren, sondern mein ganzes Inneres. 

    Ich hätte mir gewünscht, dass man in der Medizin auch über den seelischen Teil spricht – über die Trauer, die Hilflosigkeit, den Glaubenskampf. Ich hätte mir gewünscht, jemand hätte mir vorher gesagt: „Es ist okay, zu weinen, zu schreien, zu zweifeln – und trotzdem an Gott festzuhalten.“

    Symbolbild

    So lag ich dann im Bad als mein Mann dazu kam und verzweifelt versuchte, mit dieser ganzen Situation klarzukommen und dennoch für mich da zu sein. Meine Kraft ließ immer mehr nach. Schließlich rief mein Mann den Krankenwagen.

    Ich erinnere mich daran, wie ich immer wieder nur kurz meine Augen öffnen konnte und es einfach zu anstrengend war, sie länger aufzubehalten. Einige Male war ich kurz weg. 

    „,Der Föt… Ihr Baby ist jetzt draußen.’“

    Im Krankenwagen selbst waren die Schmerzen mal mehr mal weniger. Der Sanitäter gab mir über die Vene Schmerzmittel. Anschließend setzte er sich neben mich und hielt meine Hand und sagte mir, dass ich das super mache und nun drücken sollte. Ich drückte. Das kostete mich sehr viel Kraft – Kraft, die ich kaum mehr hatte. Und dann, mit einem Mal, spürte ich einen größeren Klumpen. Nach meiner Einwilligung schaute der Sanitäter nach und sagte dann: „Der Föt… Ihr Baby ist jetzt draußen.“ In diesem Moment habe ich meine Augen geschlossen und ausgeatmet.

  • Im Krankenhaus

    „Wir konnten die noch sehr kleinen Augen sehen, die Hände und die unvollständigen Beine und Füße.“

    Kind in der 11. Schwangerschaftswoche

    Als wir im Krankenhaus ankamen, durften wir unser Kind sehen. So klein, so vollkommen. Und doch so unvollkommen. Wir konnten die noch sehr kleinen Augen sehen, die Hände und die unvollständigen Beine und Füße. 

    Im Krankenhaus gab man mir ein Zimmer für die Nacht, damit die Ärzte im Notfall reagieren könnten. Mein Mann blieb bei mir. Das schlimmste im Krankenhaus war, dass sie mich auf dieselbe Station gelegt haben, wo andere Frauen gerade frisch Babys bekommen hatten. Nicht, dass ich es ihnen nicht gegönnt hätte – ich habe mich von Herzen für sie mitgefreut – und doch war mein Herz so schwer. Und auch das meines Mannes. Denn jedes Mal, wenn er aus dem Zimmer ging, um mir einen Tee oder Ähnliches zu holen, sagte er mir, wie schmerzhaft es wäre, zu wissen, dass unser Baby es nicht geschafft hat, während wir andere Babys auf derselben Station weinen hörten.

  • Die Stille danach

    „Ich habe unser Kind an einem einzigen Tag geboren, gesehen und begraben und das war der schwerste und liebevollste Moment meines Lebens.“

    Wir fuhren zu meinen Schwiegereltern, wo wir dann unser Baby in ihrem Garten begraben haben. Ich habe unser Kind an einem einzigen Tag geboren, gesehen und begraben und das war der schwerste und liebevollste Moment meines Lebens. Ich hätte nie gedacht, dass so viel Schmerz und so viel Liebe gleichzeitig existieren können. Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Liebe und Schmerz gleichzeitig empfinden kann.

    „Ich wünschte, ich wäre besser vorbereitet gewesen auf das Danach.“

    Ich wünschte, ich wäre besser vorbereitet gewesen auf das Danach. Auf die Stille im eigenen Zuhause. Auf die Leere in meinem Körper. Auf die Trauer, die in Wellen kommt und nie ganz vergeht. Ich hätte mir gewünscht, dass ich selber für mich angenommen hätte, dass es in Ordnung ist, wenn man auch mal nicht funktioniert. 

    Es ist in Ordnung, wenn du nicht funktionierst. Es ist in Ordnung, zu trauern, zu zweifeln, zu beten und zu weinen – alles gleichzeitig. Ich konnte das nicht annehmen, ich wollte funktionieren und eine gute Ehefrau sein – bis ich verstanden habe, dass ich einfach nicht die Kraft dazu habe. 

    „Niemand sagt dir, wie still es im Herzen wird, wenn man kein Kind mehr unter dem eigenen Herzen trägt.“

    Ich wünschte, ich wäre besser vorbereitet gewesen – nicht auf den körperlichen Ablauf, sondern auf die seelische Leere danach. Niemand sagt dir, wie still es im Herzen wird, wenn man kein Kind mehr unter dem eigenen Herzen trägt. Niemand erklärt dir, wie sehr man sich selbst hinterfragt. Ich wünschte, ich hätte gewusst, wie schmerzhaft es sein kann, wenn man sich neben diesen starken körperlichen Schmerzen und der Erschöpfung auch noch fragt, ob man selbst dran schuld ist und man dem Baby irgendwie geschadet hat.

  • Was mir geholfen hat

    „Gebet.“

    Geholfen hat mir vor allem Gebet. Ganz viel Gebet. Die Gebete meines Mannes. Die Gebete meiner Familie, meiner Freunde. Die Gebete der Menschen, die uns lieben. Sie waren wie ein Mantel um mein gebrochenes Herz. Ich habe gespürt, dass andere für uns beten, als ich selbst zu schwach dafür war, denn es gab Tage und Abende, an denen ich nur still vor Gott saß und geweint habe, kein Gebet zu Gott sprechen konnte – nur Tränen, die Er verstanden hat. Und ich glaube, in diesen Momenten hat Er mich am meisten getröstet. 

    „Und doch war mein Glaube allein in diesen Momenten einfach nicht ausreichend. Ich war verzweifelt und konnte Gott nicht verstehen. So brauchte ich den Glauben der anderen, durch den ich getragen wurde.“

    Ohne meinen Glauben hätte ich diesen Schmerz nicht so aushalten können. Die Gewissheit, dass Gott mich sieht, dass Er meine Tränen zählt und dass mein Kind bei Ihm ist, hat mir geholfen und ohne diese Gewissheit hätte ich keinen Trost gefunden. Und doch war mein Glaube allein in diesen Momenten einfach nicht ausreichend. Ich war verzweifelt und konnte Gott nicht verstehen. So brauchte ich den Glauben der anderen, durch den ich getragen wurde. Den Glauben meines Mannes, den Glauben meiner Freundinnen und Geschwister im Herrn, die für mich gebetet haben. 

    „Mein Mann… Freundinnen… Gesten…“

    Mein Mann war eine sehr große Stütze. Er hat mit mir gebetet und mich in den Arm genommen, wenn Worte nicht mehr reichten. Meine Freundinnen halfen mir durch aufmerksame Gesten. Eine schickte mir eine Art Adventskalender, der mich durch diese Zeit der Trauer täglich begleitet hat. Er enthielt zum Beispiel ermutigende und tröstende Worte und zum Abschluss ein Bild mit dem Namen, den mein Mann und ich unserem Baby gegeben haben. Das war eines der schönsten Geschenke, die ich je bekommen habe. Eine andere Freundin schickte mir eine selbstgemachte Kerze mit dem Namen unseres Babys. All die Blumen, Karten, Briefe und alles weitere, was uns erreicht hat, war ganz besonders in dieser Zeit. 

    Es war so wertvoll und tröstlich, Menschen zu haben, die mit uns mitgetrauert haben, die nicht weggeschaut und nicht verurteilt haben – sondern einfach da waren. Ihre Liebe war für mich wie Gottes Hand auf meiner Schulter. Diese Liebe hat mir gezeigt: Ich bin nicht allein. Gott hat mich durch die Liebe anderer Menschen gehalten.

  • Was mir nicht geholfen hat

    Attention Attention

    Gewünscht hätte ich mir mehr Stille und Mitgefühl, weniger Erklärungen. Mehr Raum für ehrliche Trauer, ohne dass jemand sie kleiner macht. Weniger Worte, die größtenteils auch wirklich nur gut gemeint waren, aber dennoch unpassend. Denn: „Gut gemeint ist nicht gut gemacht.“ 

    Ein ehrliches „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich bin da“ ist so viel wertvoller als jeder Versuch, den Schmerz kleinzureden oder wegzureden. Es ist auch so viel wertvoller, jemanden im Glauben zu begleiten als viele Worte zu sagen – jemand, der einfach mit mir oder für mich betet, ohne viele Worte. 

    „Aber leider gab es auch das Andere, was gar nicht half. Worte, die wehgetan haben.“

    Die schönsten Gesten waren die stillen – eine Umarmung, ein Gebet, eine Kerze, ein Kreuz, Blumen, Briefe oder eine Karte mit einem Bibelvers. Aber leider gab es auch das Andere, was gar nicht half. Worte, die wehgetan haben. Sätze wie: „Ihr seid ja noch jung“, „Das sollte wohl nicht sein“, „Gott hat sicher einen Grund gehabt“, „Vielleicht wäre es ja ein krankes Kind geworden“ oder „Sei froh, dass es jetzt passiert ist als später, wenn es älter wird“.

    Ich weiß, viele meinen es nicht böse, sie wissen nur nicht, was sie sagen sollen. Aber auch als „krankes Kind“ wäre es ein gewolltes und geliebtes Kind. Unser Kind. Und der Wert eines Kindes wird auch nicht nach seiner Größe im Mutterleib bemessen. Es war zwar noch klein, aber in Gottes Augen groß. Gott hat es geschaffen nach Seinem Ebenbild. Es war echt, gewollt, geliebt und kostbar – von der ersten Sekunde an. Dieses kleine Leben war ein Geschenk Gottes.

    Leider gab es auch Worte von Personen, die mir – ohne es böse zu meinen – das Gefühl gaben, ich hätte Schuld an der Fehlgeburt oder etwas falsch gemacht. Sätze wie: „Vielleicht hast du dich zu viel angestrengt“. Ich weiß, sie wollten trösten, aber es tat weh. Ich habe mir selbst schon genug die Schuld gegeben, aber Gott hat mir gezeigt: Ich habe mein Kind nicht verloren, weil ich versagt habe, sondern weil Gott es früher zu sich gerufen hat, als ich es verstehen konnte und kann.

    Und Sätze wie „Zumindest weißt du, dass du schwanger werden kannst und Gott schenkt dir bestimmt auch noch weitere Kinder“ sind zwar auch lieb gemeint, aber völlig unpassend – denn es geht um dieses Kind, nicht um ein zukünftiges Kind. Und genau um dieses Kind darf jetzt getrauert werden. Im Hier und Jetzt und so lange wie nötig. 

    „Wenn jemand ein Kind verloren hat, ist das Wichtigste: einfach da sein.“

    Wenn jemand ein Kind verloren hat, ist das Wichtigste: einfach da sein. Zuhören, beten, vielleicht eine Mahlzeit vorbeibringen. Aber bitte: keine schnellen Antworten geben. Überlegt vor jedem Satz, was ihr sagen möchtet und OB ihr das wirklich sagen müsst. Manchmal ist stilles Mitleiden viel wertvoller als viele Worte.

  • Der Einfluss der Fehlgeburt auf unsere Ehe

    Für unsere Ehe war es eine Prüfung, aber auch eine Vertiefung unserer Beziehung. Wir haben gelernt, anders miteinander zu sprechen – ehrlicher, aber auch verletzlicher. 

    „Wir haben gelernt, dass wir unterschiedlich trauern dürfen.“

    Mein Mann hat anders getrauert als ich. Er wollte stark sein für mich, während ich nur noch weinen konnte. Und doch habe ich gesehen, wie sehr auch er gelitten hat. Das war herausfordernd. Aber wir haben gelernt, dass wir unterschiedlich trauern dürfen und Gott hat uns gezeigt, dass beides seinen Platz hat, dass beides okay ist und dass Gott uns beide auf seine Weise und doch unterschiedlich tröstet und heilt. Für Männer ist es oft schwer, weil sie das Kind nicht so körperlich erlebt haben – aber auch sie verlieren ihr Kind.

    Beten & reden – das hat uns verbunden. Wir haben zusammen gebetet, zusammen geschwiegen, zusammen geweint und zusammen gehofft. Und Gott hat uns durchgetragen. Wir haben erlebt, dass Liebe nicht nur in guten Tagen stark ist, sondern gerade in den dunklen.

    Gott hat mich gerade in dieser Zeit erkennen lassen, wie gesegnet ich bin, ihn als meinen Ehemann an meiner Seite zu haben. Und ich habe gemerkt, dass Gott uns in dieser gemeinsamen Trauer zusammengeschweißt hat. Es war nicht leicht und das ist es oft noch immer nicht. Aber ich bin dankbar, dass wir diese Dunkelheit nicht allein durchgehen mussten, sondern Hand in Hand – und mit Gott an unserer Seite.

  • Meine Sicht auf Abtreibung nach der Fehlgeburt

    Der erste Ultraschall

    Als ich zum ersten Mal diesen positiven Test gesehen habe, wusste ich: Da ist Leben. Als ich dieses kleine Pünktchen auf dem Ultraschall gesehen habe, wusste ich: Da ist Leben. Und als ich mein kleines Baby vor meinen Augen gesehen habe, wusste ich, obwohl es so klein war: Das ist Leben – ja, ein von Gott gewolltes Leben. Und mir wurde klar, wie real dieses Leben von Anfang an war.

    „Den Verlust zu erleben, hat mir gezeigt, wie kostbar jedes Leben ist – von der ersten Sekunde an.“

    Den Verlust zu erleben, hat mir gezeigt, wie kostbar jedes Leben ist – von der ersten Sekunde an. Ich glaube zutiefst, dass jedes Kind, egal wie klein, von Gott geschaffen und geliebt ist. Abtreibung ist für mich, nach diesem Erlebnis, noch unvorstellbarer und unbegreiflicher geworden. Seitdem kann ich den Gedanken, dass jemand dieses Leben bewusst beendet, noch schwerer ertragen. Es ist nicht nur „Gewebe“ – es ist ein von Gott geschaffenes Kind. Jedes Kind – auch das kleinste, auch das ungeborene – ist ein Wunder, geschaffen von Gott selbst. Diese Überzeugung ist heute fester in mir verankert als je zuvor.

  • Mein Rat an andere Betroffene

    Jede Frau erlebt eine Fehlgeburt anders, jede Frau trauert anders. Wenn ich Frauen etwas raten darf, die gerade eine Fehlgeburt erlebt haben, dann das: Lass dich von Gott halten. Du musst nicht stark sein – Er ist stark für dich. 

    „Erlaube dir selbst, zu trauern.“

    Du darfst trauern. Erlaube dir selbst, zu trauern. Auch Christus hat um Lazarus geweint. Ganz egal, wie klein die anderen deinen Verlust reden. Dein Leid ist kein kleines oder unbedeutendes Leid. Du hast LEBEN in dir getragen – das ist etwas Besonderes & Heiliges. Dein Kind war echt, dein Verlust ist echt. Du bist schon in der Schwangerschaft zur Mutter geworden, nicht erst nach 9 Monaten. Du bist Mutter. Du bist immer noch Mutter. Und du bist nicht weniger Mutter als andere.

    Eine Wahrheit, die für uns so wichtig ist: Ich bin Mutter. Auch wenn ich mein Kind jetzt nicht in den Armen halten darf, habe ich es im Herzen getragen. Ich habe Liebe gegeben – tiefer und bedingungsloser als Worte es je beschreiben könnten. Ich habe Gott jeden Tag für unser Baby gedankt und unserem Baby jeden Tag gesagt, dass ich es liebe, und das werde ich immer tun. Dieses Baby wird für immer mein Kind sein. Es ist Teil meines Herzens, Teil meines Lebens, Teil von mir. Das reicht, um für immer Mutter zu sein.

    Sprich mit Gott, auch wenn du wütend oder traurig bist. Sprich mit Ihm über deinen Schmerz, deine Wut, deine Fragen. Er hält das aus. Er hält deine Tränen in Seiner Hand (Psalm 56,9). Du bist nicht allein. Gott sieht dich, mitten in deiner Dunkelheit. Halt dich an IHM fest – auch wenn du ihn gerade kaum spürst. 

    Er sieht dich, Er hört dich, Er trägt dich und Er weint mit dir, Er hält dich fest, und Er wird dich wieder aufrichten. Seine Liebe bleibt. „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind“ (Psalm 34,19).

    „Dein Kind ist nicht fort, es ist nur vorausgegangen – nach Hause, zu Ihm.“

    Und vergiss niemals: Dein Kind ist nicht verloren – es wartet auf dich in der Ewigkeit. Dein Kind ist nicht fort, es ist nur vorausgegangen – nach Hause, zu Ihm. Es ist in Seinen Armen – geborgen, geliebt, lebendig in der Ewigkeit. Und eines Tages wirst du es wiedersehen. Bis dahin darfst du trauern. Und hoffen. Und glauben. Diese Hoffnung ist kein billiger Trost, sondern die Barmherzigkeit, Gnade & Liebe Gottes.

    Und ich würde gerne noch etwas loswerden: Du bist nicht schuld. Such dir Menschen, die mit dir beten und dich nicht verurteilen. Auch Gott verurteilt dich nicht – Er hält dich. Er kennt jede deiner Tränen, jede schlaflose Nacht, jeden Tag, der schmerzt.

    Wenn andere Menschen zu mir sagen: „Zeit heilt alle Wunden“, weiß ich, dass das nicht stimmt – man lernt mit der Zeit nur immer mehr, damit umzugehen. Aber ich habe auch gelernt, dass Schmerz und Frieden nebeneinander existieren können. Und ich habe Frieden gefunden – nicht, weil der Schmerz weg ist, sondern weil Gott mitten im Schmerz da ist. Ich weine immer noch, ja – besonders an bestimmten Tagen. Aber ich weiß, dass Gott auch aus Leid etwas Neues und Gutes wachsen lassen kann: eine tiefere Dankbarkeit für das Leben, eine größere Empathie für andere Frauen und eine neue Nähe zu Ihm. Denn ich weiß, dass Gott treu ist. Das gibt mir Hoffnung, die stärker ist als der Schmerz. 

An alle Eltern, die ein Kind verloren haben – ob durch Fehlgeburt, Totgeburt oder viel zu frühes Gehen: Gott sieht euch. Er kennt jede eurer Tränen, jede eurer schlaflosen Nächte, jeden Tag, der schmerzt. Er verurteilt euch nicht – er hält euch.

Und an die Familien, Gemeinde, an Freunde, an alle Angehörige: Schaut nicht weg. Seid da. Betet mit, weint mit, hört zu. Euer Mitfühlen, eure Gebete, euer stilles Dasein – das ist mehr als wertvoll.
Denn manchmal ist Liebe einfach: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich bin hier.“

Wenn Worte fehlen, dann lasst eure Gebete sprechen. 🙏🏾❤️‍🩹

Patricia W.

Du hast ein Kind verloren und brauchst jemanden zum Reden? Wende dich gerne an unsere Beratungsstelle Schattenkind: 0800 24 888 42

Als Jugend für das Leben, die Jugendinitiative der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA), wollen wir aufklären zu ethischen Themen rund ums Lebensrecht. Ein besonderes Herzensanliegen ist dabei das Thema Abtreibung:
Wir stehen ein für Unterstützung und Hilfe für Frauen und Familien im Schwangerschaftskonflikt und das Lebensrecht und die Würde jedes Menschen von Anfang an.