Ich hatte die Wahl: Ausschabung, chemische Abtreibung oder darauf warten, dass mein Körper das Baby von selbst „loslässt“ – ich entschied mich für letzteres. Ich begann ab dem 01.09. jeden Tag mehrere Tassen verschiedener Tees zu trinken, damit mein Körper „gereinigt“ wird und ich keine Vergiftung bekomme. Schon beim Zubereiten der ersten Kanne hatte ich so große Schuldgefühle: „Was ist, wenn unser Baby doch lebt?“
Zwei Tage später, am 03.09. begann dann die Blutung leicht und wurde immer stärker. Am 04.09. um ca. 19:30 Uhr ging es mit den Schmerzen los.
Ich wurde von anderen darauf vorbereitet, dass es sehr schmerzhaft werden könnte. Meine Ärztin hatte mir allerdings gesagt: „Für andere ist es sehr schmerzhaft, für Sie mit Endometriose wird es sich wahrscheinlich genauso anfühlen wie jedesmal zu einer Periode“. Dem war so.
„Da waren sie, diese starken Schmerzen, von denen Frauen, die eine Fehlgeburt oder chemische Abtreibung erlebt haben, gesprochen hatten.“
Ich habe diese Schmerzen aufgrund meiner Endometriose tatsächlich alle paar Wochen. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht wirklich sehr schmerzhaft sind. Das waren sie allemal. Noch dazu war die Blutung deutlich stärker als für gewöhnlich.
Ich hatte mich schon mental darauf vorbereitet, genau das gleiche wie alle paar Wochen zu erleben. Und doch war es viel schlimmer. Denn der Schmerz im Herzen war in diesen Momenten stets spürbar.
Mein Mann und ich gingen zu Bett und versuchten zu schlafen. Ich nickte immer wieder kurz ein, um dann vor Schmerzen wieder aufzuwachen.
Irgendwann gegen Mitternacht wachte mein Mann auf. Ich saß im Bad neben der Toilette und hatte nach ihm gerufen. Die Schmerzen hatten einen Höhepunkt erreicht und ich hatte mich gerade übergeben. Mein Körper hatte angefangen zu zittern, obwohl mir überhaupt nicht kalt war. Mir war schwindelig. Es war körperlich, seelisch und geistlich kaum zu ertragen.
„Ich war nicht darauf vorbereitet, wie sehr der Körper und die Seele zusammen trauern.“
Ich habe gebetet, geweint, geschrien, gefleht. Ich war nicht darauf vorbereitet, wie sehr der Körper und die Seele zusammen trauern. Es fühlte sich an, als würde nicht nur mein Körper etwas verlieren, sondern mein ganzes Inneres.
Ich hätte mir gewünscht, dass man in der Medizin auch über den seelischen Teil spricht – über die Trauer, die Hilflosigkeit, den Glaubenskampf. Ich hätte mir gewünscht, jemand hätte mir vorher gesagt: „Es ist okay, zu weinen, zu schreien, zu zweifeln – und trotzdem an Gott festzuhalten.“

Symbolbild
So lag ich dann im Bad als mein Mann dazu kam und verzweifelt versuchte, mit dieser ganzen Situation klarzukommen und dennoch für mich da zu sein. Meine Kraft ließ immer mehr nach. Schließlich rief mein Mann den Krankenwagen.
Ich erinnere mich daran, wie ich immer wieder nur kurz meine Augen öffnen konnte und es einfach zu anstrengend war, sie länger aufzubehalten. Einige Male war ich kurz weg.
„,Der Föt… Ihr Baby ist jetzt draußen.’“
Im Krankenwagen selbst waren die Schmerzen mal mehr mal weniger. Der Sanitäter gab mir über die Vene Schmerzmittel. Anschließend setzte er sich neben mich und hielt meine Hand und sagte mir, dass ich das super mache und nun drücken sollte. Ich drückte. Das kostete mich sehr viel Kraft – Kraft, die ich kaum mehr hatte. Und dann, mit einem Mal, spürte ich einen größeren Klumpen. Nach meiner Einwilligung schaute der Sanitäter nach und sagte dann: „Der Föt… Ihr Baby ist jetzt draußen.“ In diesem Moment habe ich meine Augen geschlossen und ausgeatmet.