Diese Seite gehört zu Aktion Lebensrecht für alle e.V.Besuchen Sie die Hauptseite www.alfa-ev.de

Präimplantationsdiagnostik

Die PID, die Präimplantationsdiagnostik, ist eine Untersuchungsmethode, bei der ein Embryo vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf mögliche Schäden oder Krankheiten hin untersucht werden kann. Sie ist also nur im Rahmen einer künstlichen Befruchtung anwendbar.

Wenige Tage nach der Befruchtung der Eizelle entnehmen die Ärzte dem Embryo meist eine oder zwei Zellen und prüfen das enthaltene Erbgut gezielt auf bestimmte Krankheitsanlagen. Embryonen, die keine solche Anlagen aufweisen, können anschließend entweder in die Gebärmutter der Mutter eingesetzt oder (bisher nur im Ausland) für spätere Schwangerschaften tiefgefroren (kryokonserviert) werden. Die Embryonen, deren Erbgut eine nicht gewünschte Anlage aufweist, werden "verworfen", also getötet.

Mittels PID können bestimmte Erbkrankheiten oder Gendefekte festgestellt werden, wie zum Beispiel das Down Syndrom. Es lassen sich aber auch genetische Faktoren feststellen, die nicht unbedingt einen Krankheitsausbruch mit sich ziehen, wie etwa das Brustkrebsgen. Manche der feststellbaren Krankheiten, wie z.B. Mukoviszidose, lassen sich auch gut therapieren. Andere Krankheiten, wie Chorea Huntington, können früh ausbrechen, aber auch erst im Alter über 50 Jahren oder überhaupt nicht.

Außerdem kann mittels PID das Geschlecht des Kindes festgestellt werden: in vielen Ländern wird dieses Verfahren dazu genutzt, einer Familie den Wunsch nach Junge oder Mädchen zu erfüllen – in diesem Fall werden alle Embryonen mit dem „falschen“ Geschlecht verworfen, auch wenn sie vollkommen gesund sind. Diese Anwendungsform der PID wird auch „Family Balancing“ oder "Social Sexing" genannt.

Zudem ist es möglich, Embryonen für bestimmte Zwecke auszuwählen: zum Beispiel, um als Knochenmarks- oder Blutspender für ein bereits lebendes, aber krankes Geschwisterkind zur Verfügung zu stehen. Man spricht hier von „Designer Babys“ oder „Saviour Siblings“, "Rettungskindern". Es gibt allerdings auch Eltern, die bewusst Kinder mit bestimmten Defekten haben möchten. Schlagzeilen machte der Fall taubstummer Eltern, die versuchten, mittels PID ein ebenfalls taubstummes Kind zu bekommen. 

Die Risiken bei der PID bestehen in erster Linie für den Embryo, der die Zellentnahme in einem Stadium verkraften muss, in dem er erst wenige Zellen hat. Welche Folgen diese Entnahme für das Kind hat, wird nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie die psychische Befindlichkeit, wenn ein Kind später erfährt, dass es kein Wunschkind war, sondern nach Qualität ausgewählt wurde.

Da Ärzte noch von einer Fehlerquote bei PID ausgehen, wird zu weiteren Untersuchungen im Verlauf der Schwangerschaft geraten (z.B. Fruchtwasseruntersuchung). Die Folge sind sehr hohe Abtreibungsraten, sollte später ein "Mangel" entdeckt werden. Denn die Eltern wollten ja ein gesundes Kind. Auch das Fehlgeburtsrisiko ist – wie insgesamt bei Schwangerschaften nach künstlicher Befruchtung - erhöht.

Nachdem das menschliche Genom entschlüsselt worden ist, werden sich auch die Diagnoseverfahren der PID erweitern – was zur Folge haben wird, dass in der Zukunft nicht nur nach schweren Erkrankungen oder Defekten gesucht wird, sondern auch nach ganz anderen Erbgutinformationen, wie zum Beispiel eine Veranlagung zu Fettleibigkeit oder Herzinfarktrisiko.

Zudem trägt jeder Mensch die Erbanlagen für vier bis fünf schwerwiegende Erkrankungen in sich, ohne dass diese unbedingt auch zur tatsächlichen Erkrankung führen müssen. Wie sollen in Zukunft die Auswahlkriterien für PID aussehen? Auf welche Erbgutfehler oder Eigenschaften eines Menschen hin wollen wir testen?

Insgesamt gesehen muss man sagen, dass PID ein Verfahren ist, das zu einer veränderten Einstellung gegenüber Kindern führen wird: Kinder werden zusehends zu einem Produkt, das vorgeburtlich eine Qualitätsprüfung durchlaufen muss und im Fall des Nicht-Bestehens dieser Prüfung verworfen wird.