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Bericht zum diesjährigen Marsch für das Leben am 19. September in Berlin

Eins weiß ich nach dem diesjährigen Marsch für das Leben mit Sicherheit: Nächstes Jahr fahre ich wieder hin. Ich möchte wieder dabei sein, wenn am 17. September eine dann hoffentlich noch größere Menge an Menschen friedlich durch das Zentrum Berlins marschiert, um für das uneingeschränkte Lebensrecht eines jeden Menschen und gegen Abtreibung und Euthanasie zu demonstrieren.

Es war für mich das erste Mal, dass ich bei solch einer großen Veranstaltung dabei war. Ich war froh, dass ich diese Reise vom anderen Ende der Republik auf mich genommen habe. Um die Mittagszeit des 18. Septembers, am Tag vor dem Marsch, machte sich ein Bus aus München mit einer Gruppe von 30 Lebensschützern auf in die Bundeshauptstadt. Auf der Fahrt gab es nicht nur ausreichend Gelegenheit, dass sich die Teilnehmer kennen lernten und austauschen. Neben genügend Zeit zum Ausruhen bekamen wir von unseren beiden Reiseleitern Christoph Diel und Thomas Brüderl einige Informationen über den Ablauf der Marsches und gar noch ein kleines, aber effektives Medientraining. Dieses sollte uns auf mögliche Fragen von Medienvertretern vorbereiten, um in ehrlicher aber auch geschickter Weise darauf einzugehen und mögliche Fallen in der Fragestellung zu erkennen. Einige von uns nutzten die Gelegenheit, sich verschiedene Kurzstatements zurechtzulegen, um diese dann auch über das Busmikrofon zu üben und von den Mitreisenden beurteilen zu lassen. Nach einer sicheren Ankunft am späten Freitagabend in unserer schicken Unterkunft, die anscheinend jedes Jahr vor allem von der Jugend für das Leben angesteuert wird, ruhten sich die meisten für den bevorstehenden Tag aus. Eine zweite Gruppe stieß spät in der Nacht aus Köln dazu und quartierte sich auch dort ein.

Der Samstag begann für mich damit, beim Aufbau des Kundgebungsplatzes vor dem Bundeskanzleramt zu helfen. Sollte einem Teilnehmer des Marsches aufgefallen sein, dass die aufgehängten Banner an der Hauptbühne schief hingen, kann er sich auch jetzt noch bei mir beschweren, schließlich war es meine Aufgabe, diese anzubringen. Während der Kundgebung stand ich mir dann die Beine in den Bauch, als ich bei der besonders anspruchsvollen Tätigkeit, den Generator als Stromquelle für die Bühne zu bewachen, nicht wirklich viel zu tun hatte. Da ich ja schon vielfach vorgewarnt war, wie es wohl auf dem Marsch zugehen würde, war ich äußerst gespannt, was so alles passieren würde. Entgegen meiner Erwartung blieb es aber sehr ruhig und ich konnte ohne Bedenken dem fröhlichen Gesang, den Zeugnissen und Reden auf der Bühne zuhören und mich darüber freuen, dass der Strom von Mitstreitern vom Hauptbahnhof nicht abzubrechen schien.

In richtig guter Stimmung formierte sich der Zug nach einer gelungenen Kundgebung und setzte sich schweigend in Bewegung. Zumindest theoretisch. Denn zu schweigen war jetzt nicht gerade die große Stärke meiner Mitdemonstranten. Es ging eher zu wie bei einer gewöhnlichen Fronleichnamsprozession. Was mich aber fast noch mehr gestört hat, war, dass so mancher Teilnehmer meinte, den am Ende des Marsches doch nur vereinzelt nebenher marschierenden Gegendemonstranten und deren geistreichen Parolen besondere Aufmerksamkeit schenken zu müssen, indem sie diese fotografierten. Was die mit diesen Fotos machen wollten, wurde mir auch im Nachhinein nicht klar. Was bringt es mir, von der Schönheit des Marsches für das Leben in Berlin zu erzählen und dabei Bilder von aufgeblasenen Kondomen und aus Bäumen schreienden nackten Frauen zu zeigen? Jedenfalls versuchte ich, mich weder von innen noch von außen nicht provozieren zu lassen. Als die Teilnehmer während einer längeren Stehpause jedoch anfingen, „Großer Gott wir loben dich“ zu singen, gingen einige von uns Ordnern durch die Reihen, um den Gesang zu unterbinden und wieder an den Charakter des Schweigemarsches zu erinnern.

Sehr freute mich die rege Teilnahme von vielen Familien, die auch ihre Kinder mit deren Großeltern dabei hatten und dem Zug eine freundliche Note gaben und für eine, trotz allen sinnfreien, blasphemischen und hasserfüllten Parolen, gute Atmosphäre sorgte. Spätestens als ich unweit von mir Weihbischof Renz ruhig und genüsslich an seinem Eis lutschen sah, stellte sich bei mir eine gewisse innere Ruhe ein und ich konnte alle mitgebrachten negativen Assoziationen über den Marsch vergessen. Dass ich in einem Regenschauer, der punktgenau mit Beginn des den Marsch beschließenden ökumenischen Abschlussgottesdienstes einsetzte, die weißen Kreuze und die ganzen Spruchtafeln wieder verstaute, störte mich nicht die Bohne. Vielleicht mag es aber auch an den kostenlos verteilten Brezen und den Hanutas gelegen haben… Jedenfalls berichteten mir auch andere, dass das gemeinsame Vaterunser und das „Großer Gott wir loben dich“, das jetzt endlich seinen angebrachten Platz hatte, ihr persönlicher Höhepunkt dieser sehr gelungenen Lebensrechts-Veranstaltung war und alle mit einem heiteren Gefühl nach Hause oder zurück in die Unterkunft gehen ließ. Das Gefühl, den Ungeborenen, Alten, Kranken, Behinderten und von unserer angeblich so toleranten Gesellschaft total Ausgegrenzten eine Stimme und ein Gesicht gegeben zu haben, erfüllte mich mit tiefer Freude und Motivation, immer damit weiterzumachen, mich für diese Menschen einzusetzen.

Bei gemütlichem Beisammensein nach dem Abendessen im Hotel konnten sich die einzelnen Regionalabteilungen der Jugend für das Leben gegenseitig noch besser kennen lernen. Am Sonntag war dann der geschlossene Besuch aller Katholiken im Gottesdienst in einer nahegelegenen Pfarrei für mich ein weiterer Höhepunkt. Als wir gemeinsam mit den dortigen Gemeindemitgliedern Heilige Messe feierten und dem jungen Pfarrer beim Einzug schier das Gotteslob aus der Hand gerutscht wäre, als er eine wohl noch nie mit so vielen jungen Leuten gefüllte Kirche erblickte.

Nach dem abschließenden Mittagessen, das einige fast durch einen Schnellbesuch des Brandenburger Tors verpasst hätten, fuhren alle motiviert, aber auch erledigt wieder zurück nach München. Ich bin mir sicher, dass auf dieser Fahrt die ein oder andere Entscheidung für eine erneute Teilnahme am Marsch des Lebens nächstes Jahr getroffen wurde. Bei mir jedenfalls war das so!

(Mathias Blum)

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